Was ist das Research Organization Registry (ROR)?

Paul Vierkant Allgemein, Blog, Organizational Identifier 2 Comments

Dank ORCIDROR Logo ist Autor*innenidentifikation in Akademia keine Raketenwissenschaft mehr, sondern eine für wissenschaftliche Einrichtungen, Forschungsförderer und Verlage umsetzbare Lösung zur eindeutigen Identifizierung ihrer Affillierten, Fördernehmer*innen und Autor*innen. Openness“ und Interoperabilität, mit denen die non-profit Organisation ORCID 2012 an den Start ging, haben die ORCID ID zum internationalen Standard für Autor*innenidentifikation in der Wissenschaft gemacht.

Neben DOIs für Forschungsdaten und Textpublikationen und ORCID IDs für Autor*innen hat sich im Bereich der eindeutigen Identifikation von wissenschaftlichen Organisationen noch kein globaler Standard durchgesetzt. Bestehende Lösungen, wie die International Name Standard Identifier (ISNI), GRID und die kommerzielle RingGold ID können derzeit als Persistent Identifier (PID) für Organisationen genutzt werden. Im deutschsprachigen Raum verfolgt auch die Gemeinsame Normdatei (GND) für Kultur und Wissenschaft oder der Einrichtungs-Identifier des Portals GERiT der Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) dieses Anliegen.

Um den Anforderungen der internationalen Wissenschaftscommunity an einen offenen, interoperablen und durch die wissenschaftlichen Einrichtungen selbst kuratierten PID für Organisationen zu entsprechen, gründeten im Jahr 2016 u. a. Crossref, DataCite und ORCID die „Org-ID-Initiative.“ Aus der Arbeit der unterschiedlichen Arbeitsgruppen zu Themen wie Policy, Governance und PR entwickelte sich das „Research Organization Registry – ROR“, dass Anfang 2019 mit einem Prototypen unter www.ror.org startete. Im Folgenden sollen die Grundzüge von ROR einführend erklärt werden.

Die über 98.000 Einträge in ROR basieren auf den Daten von GRID, die als Grundlage für den Start von ROR herangezogen wurden und turnusmäßig abgeglichen werden. Jeder Eintrag im ROR ist mit einer ROR ID versehen und erfasst eine wissenschaftliche Einrichtung anhand folgender Metadaten:

  • ROR ID
  • Englischer Name der Einrichtung
  • Namensvarianten (z. B. Abkürzungen, fremdsprachige Varianten)
  • URL der Einrichtung
  • Andere Identifier (z. B. GRID, ISNI, Wikidata)
  • Land, in dem die Einrichtung ihren Sitz hat
  • Einrichtungstyp
  • (weitere Metadaten sind geplant)
HELMHOLTZ-ZENTRUM POTSDAM - DEUTSCHES GEOFORSCHUNGSZENTRUM GFZ

ROR-Eintrag des Helmholtz-Zentrum Potsdam – Deutsches GeoForschungsZentrum GFZ

Hierbei wird lediglich die höchste Ebene einer Einrichtung erfasst. Abteilungen (z. B. Departments, Fachbereiche, Sektionen etc.) einer Institution werden in ROR nicht erfasst. Der Fokus von ROR liegt auf dem Anwendungsfall der „Affiliationsangabe“, wenn Wissenschaftler*innen einer Einrichtung zugeordnet bzw. wenn Institutionen mit ihrem wissenschaftlichen Output verbunden werden sollen. ROR unterscheidet sich von bestehenden Lösungen am Markt dadurch, dass es Community-betrieben, offen (Metadaten sind unter CC0 veröffentlicht) und spezifisch für die eindeutige Affiliationsangabe entwickelt wurde.

Seit dem Start im Januar 2019 wird ROR von einer Gruppe von Lenkungsorganisationen unterstützt und vorangetrieben, wobei ein kleineres Projektteam aus Mitgliedern der California Digital Library, Crossref, DataCite und Digital Science besteht. Das Projektteam baut die ROR-Infrastruktur aus und entwickelt ein nachhaltiges Betriebs- und Finanzierungskonzept. ROR wird in diesen und weiteren Belangen durch einen Beirat, der sich aus unterschiedlichen Akteuren der Wissenschaftscommunity, wie Bibliotheken, Forschungsförderer, Softwareanbieter etc. zusammensetzt, beraten.

Seit dem Launch von ROR wurde die ROR ID von diversen Einrichtungen (z. B. DataDryad und DataCite) unter Nutzung der offenen API bereits implementiert. Kürzlich hat ORCID Planungen zur Implementierung von ROR im ORCID-Verzeichnis veröffentlicht.

Im Rahmen des Projekts ORCID DE soll der Stand der Nutzung von sowie die Anforderungen an PIDs für Organisationen in Deutschland erfasst werden. Darüber hinaus soll im Projektblog regelmäßig über mögliche Lösungen, wie z. B. ROR, informiert werden.

DataCite, als Projektpartner im ORCID DE Projekt, stellt den Dialog zwischen ORCID DE und dem ROR-Konsortium sicher. Das Projekt ORCID DE veranstaltet im Dezember 2020 einen Workshop in dem auch die Weiterentwicklung von ROR in Deutschland erörtert werden soll.

[1] minimum viable registry, MVR

Comments 2

  1. Gerald Jagusch

    Lieber Herr Vierkant,

    Sie schreiben „Abteilungen (z. B. Departments, Fachbereiche, Sektionen etc.) einer Institution werden in ROR nicht erfasst. “ Da hatte ich mir erhofft, dass sich das perspektivisch ändert – wie sind denn die Pläne dazu? DAS wäre nämmlich ein echter und wichtiger Mherwert von ROR!

    Schöne Grüße,
    Gerald Jagusch

    1. Post
      Author
      Paul Vierkant

      Lieber Herr Jagusch,

      vielen Dank für die Nachfrage. ROR konzentriert sich darauf, den Anwendungsfall der Top-Level-Zugehörigkeit abzudecken. Ziel ist, dass dafür eine solide offene Infrastruktur aufzubauen, damit zuverlässige Daten über den Output einer wissenschaftlichen Einrichtung geliefert werden können. Das Mapping von Abteilungen, Sektionen etc. ist komplex und von Institution zu Institution unterschiedlich. Derzeit adressiert ROR dieses Problem jedoch nicht
      Der Ansatz von ROR ist mit offenen Daten und offener Infrastruktur durch Interoperabilität die Identifizierung von Abteilungen auf lokaler Ebene zu ermöglichen. Zum Beispiel haben einige Mitglieder einer ROR-Community-Gruppe ein Nebenprojekt zur Entwicklung einer ROR-Erweiterung aufgebaut, mit der es möglich sein soll, Abteilungen abzubilden.

      Viele Grüße,
      Paul Vierkant

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