Von bestehenden ORCID-Integrationen in Deutschland lernen – Technische Universität Dortmund

Paul Vierkant Best-Practice, Blog 1 Comment

Als drittes Best-Practice-Beispiel in unserer Blog-Interviewreihe „Von bestehenden ORCID-Integrationen in Deutschland lernen“ präsentieren Kathrin Höhner und Hans-Georg-Becker, stellvertretend für die Technische Universität Dortmund, ihre Erfahrungen bei der Integration von ORCID in ihrer Einrichtung. Frau Höhner ist Open-Access-Beauftragte und Fachreferentin an der Universitätsbibliothek der TU Dortmund. Herr Becker ist verantwortlich für Datenmanagement und Informationssysteme.

Welche Gründe gab es für die Integration von ORCID an Ihrer Einrichtung?

Die Technische Universität Dortmund ist bereits seit März 2015 Mitglied bei ORCID und seit November 2016 Mitglied des deutschen ORCID-Konsortiums. Die Mitgliedschaft wurde abgeschlossen, um Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern Mehrwerte ihrer ORCID iD zu ermöglichen: Wir, die Universitätsbibliothek Dortmund (UB), exportieren Publikationen aus den ORCID-Profilen der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, um sie in der Hochschulbibliographie bibliothekarisch aufzubereiten. Daraus lassen sich dann nicht nur Publikationslisten für die Webseiten einzelner Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, sondern dank bibliothekarischer Aufbereitung auch für spezifische Anforderungen wie z. B. einzelne Kooperationsprojekte oder alle Mitglieder eines Lehrstuhls erstellen. Die UB bietet außerdem an, Publikationen aus der Hochschulbibliographie in die ORCID-Profile ihrer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler einzuspielen. Gerade für gedruckte Publikationen, die nicht mittels eines DOI automatisiert in ORCID-Profile importiert werden können, nehmen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler diesen Service sehr gerne an.
Die UB profitiert von der ORCID-Integration, da sie so die Anzahl an Datensätzen in ihrer Hochschulbibliographie automatisiert deutlich erhöht und damit eine vollständigere Dokumentation der Forschungsleistung der Universität ermöglicht. Die bibliothekarische Aufbereitung der aus den ORCID-Profilen der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler importierten Daten ist notwendig, um Relationen zwischen Publikationen sowie verschiedenen beteiligten Autorinnen und Autoren der TU Dortmund und deren Zugehörigkeit zu einzelnen Lehrstühlen, Instituten oder Projekten darzustellen.

Was waren die wichtigsten Schritte bei der Integration?

Zuerst haben wir überlegt, für welche Szenarien wir das ORCID-API nutzen möchten. Nach technischer Einbindung des API in unser System war es sehr wichtig, dass alle gewünschten Szenarien getestet wurden. Da einige Funktionen nur im Live-System getestet werden können, z. B. der Datenimport in ORCID aus externen Quellen, wie beispielsweise CrossRef, war es wichtig, dass wir mit unseren eigenen Accounts und denen von bereitwilligen Kolleginnen und Kollegen der UB unterschiedlichste Publikationstypen testen konnten.

Wie wird ORCID in Ihrer Einrichtung verwendet?

Die ORCID-Integration besteht aus zwei Teilen. Zum einen können die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ihr ORCID-Profil mit der TU-Identität verbinden und uns dabei weitere Rechte an den Daten aus ihrem Profil übertragen. Zum anderen bieten wir die Funktion an, die Publikationsdaten aus ORCID-Profil und Hochschulbibliographie zu synchronisieren.

Verknüpfung der ORCID iD mit dem TUDortmund-Account

Workflow der Verknüpfung der ORCID iD mit dem TUDortmund-Account.

Workflow der Verknüpfung der ORCID iD mit dem TUDortmund-Account.

Beides geschieht technisch mit dem ORCID-Member-API der Version 2.0 innerhalb des Metadatenmanagementsystems (MMS) der Hochschulbibliographie. Das MMS ist in Python 3 implementiert und das ORCID-API wird mittels direkter  HTTP-Requests angesprochen.
Die gesamte Dokumentation ist auf GitHub zu finden: https://github.com/UB-Dortmund/orcid_sync
Auch die visualisierten Workflows der beiden Features stehen auf GitHub zur Verfügung:

– ORCID Workflow for Linking:
– ORCID Workflow for synching works data

Bei der Synchronisation der Publikationsdaten kommt der Datenaufbereitung eine besondere Rolle zu, da die UB besonderen Wert auf die Vermeidung von Dubletten legt.

Synchronisation

Schritte der Synchronisation zwischen ORCID-Profil und Hochschulbibliographie.

Schritte der Synchronisation zwischen ORCID-Profil und Hochschulbibliographie.

Welche Herausforderungen gab es und wie sind Sie Ihnen begegnet?

Besondere Herausforderungen bei der Implementierung gab es keine. Die API an sich funktioniert sehr gut.
Technisch haben wir bei der Implementierung des ORCID-API zunächst auf bestehende Lösungen gesetzt, wozu der „Python wrapper over the ORCID API“ (python-orcid, Version 0.7.0, https://pypi.python.org/pypi/orcid/) verwendet wurde. Dieser ist allerdings auf der API-Version 2.0_rc2 stehen geblieben, so dass nach Ermahnung von ORCID-Seite direkte HTTP-Requests verwendet wurden.
Die größere Herausforderung liegt darin, ein ausgefeiltes Konzept für die Einsatzszenarien von ORCID an der Einrichtung zu erarbeiten, ohne zuvor alle Funktionen der API im Testsystem, der ORCID-Sandbox, ausprobieren zu können. Bei der Erarbeitung des Konzepts sind vor allem diese beiden Fragen zu beantworten:

–       Was muss im lokalen Zielsystem beachtet werden?
–       Welche Funktionen der API sollen für welche Szenarien im Zielsystem verwendet werden?

Eine dritte Herausforderung liegt darin, dass die Registrierung bei ORCID auf freiwilliger Basis beruht und somit für die Integration in unterschiedliche hauseigene Systeme eine Verknüpfung mit einer internen ID notwendig ist.

Wie ist das Feedback der Mitglieder Ihrer Einrichtung?

Wer sich mit seiner ORCID iD und unserer Hochschulbibliographie verlinkt hat, nimmt insbesondere den Service zur Generierung von Publikationslisten als Arbeitserleichterung wahr. Eine größere Marketing-Kampagne hierzu wird es im Wintersemester 2017/18 geben. Je nach Publikationskultur wird auch der Service des Einspielens von Daten aus der Hochschulbibliographie in die ORCID-Profile als bereichernde Serviceleistung wahrgenommen.

Was sind Ihre Zukunftspläne für ORCID an Ihrer Einrichtung?

Ziel ist es, Datenflüsse mit Hilfe von ORCID iDs weiter zu automatisieren, um den Aufwand für die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zu minimieren: Publikationen sollen nur einmal – idealerweise nicht einmal aktiv, sondern über das ORCID-Auto-Update – von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern eingegeben werden müssen. Außerdem sollen vorhandene ORCID iDs in einem möglichen Forschungsinformationssystem verwendet werden. Ziel der UB ist es, eine möglichst hohe Zahl an Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern von den Mehrwerten von ORCID zu überzeugen. Daher streben wir eine hohe Abdeckung von ORCID iDs für Dortmunder Forschende an.

Welchen Rat würden Sie anderen Einrichtungen geben, die eine Integration von ORCID planen?

Das Wichtigste ist, sich im Vorfeld sehr genau zu überlegen, welche Einsatzszenarien für ORCID an der eigenen Einrichtung in Frage kommen. Das oder die eigenen Zielsysteme sind darauf hin zu prüfen, wie die Umsetzung mit ORCID gelingen kann. Forderungen nach ORCID-Integration in Standardsoftware helfen da nur sehr bedingt weiter. Auch empfiehlt sich die frühzeige Kontaktaufnahme mit ORCID, da die Verwendung des ORCID-Produktivsystems auch dann erst von der Organisation freigegeben werden muss, wenn man bereits Mitglied ist und Zugriff auf die API hat.

 

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