Von bestehenden ORCID-Integrationen in Deutschland lernen – Ruhr-Universität Bochum

Paul Vierkant Allgemein, Best-Practice 0 Comments

Unsere Blog-Interviewreihe „Von bestehenden ORCID-Integrationen in Deutschland lernen“ geht weiter mit der Ruhr-Universität Bochum (RUB) als Best-Practice-Beispiel. Veronika Josenhans, Fachreferentin und Leiterin des Bereichs Forschungsinformation an der Universitätsbibliothek Bochum teilt hier ihre Erfahrungen bei der Einführung von ORCID an ihrer Universität.

Welche Gründe gab es für die Integration von ORCID an Ihrer Einrichtung?

Für den Aufbau der Hochschulbibliographie waren wir als Ruhr-Universität Bochum (RUB) sehr früh auf der Suche nach einem Personen-Identifikator, den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler kennen und nutzen, der nicht auf die Bibliothekswelt begrenzt ist und den wir öffentlich sichtbar machen dürfen. Dieses Kriterium war uns wichtig, um den Identifier z. B. für die Generierung von Publikationslisten auf den Webseiten der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler einsetzen zu können. So verfolgten wir die Entwicklungen rund um ORCID sehr aufmerksam, auch die Tatsache, dass sich dieser Identifier zunehmender Beliebtheit erfreute. Zunächst fanden wir die damals von ORCID noch angebotene Möglichkeit, ORCID IDs für alle Mitglieder einer Universität automatisch erzeugen zu lassen, sehr spannend. So hätten wir allen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern einen weltweit gültigen Identifier „verpassen“ und die GND-ID dadurch ersetzen können. Heute sind wir davon überzeugt, dass dies der falsche Weg gewesen wäre. Eine ID ist nur erfolgreich, wenn sie akzeptiert und im Wissenschaftsalltag genutzt wird. Dies geschieht nur, wenn es für die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler einen offensichtlichen Vorteil bringt und dadurch eine eigene Motivation entsteht.

Was waren die wichtigsten Schritte bei der Integration?

Aktuell nutzen wir die ORCID-Member-API nur im Kontext der Hochschulbibliographie. Die Software der Hochschulbibliographie entwickeln wir in Kooperation mit Kolleginnen und Kollegen der Universitätsbibliothek Dortmund. Die technische Integration von ORCID wird von der UB Dortmund übernommen, ich verweise daher an dieser Stelle auf den Blog-Beitrag von Hans-Georg Becker und Kathrin Höhner.

Wie wird ORCID in Ihrer Einrichtung verwendet?

Zusammen mit der TU Dortmund wurden wir im Frühjahr 2016 Mitglied bei ORCID und im Herbst des gleichen Jahres Gründungsmitglied des Konsortiums ORCID DE. Damals hatten wir bereits über 100.000 Publikationen unserer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in der Bibliographie erfasst und wollten über ORCID diesen Forschungsoutput unserer Universität noch sichtbarer machen. Auch erhoff(t)en wir uns, dass Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ORCID dazu nutzen, uns Publikationen zu melden. Ziel ist es, dass sich die Hochschulbibliographie über ORCID zunehmend selbsttätiger und schneller mit Publikationen füllt. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass wir bei der Verknüpfung die korrekte Affiliation unserer Universität mit „Source: Ruhr-Universität Bochum“ im ORCID-Record der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler eintragen. So profitieren beide Seiten, die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler von dieser nicht selbst eingetragenen, sondern von Dritten bestätigten Tätigkeit an der RUB. Darüber hinaus nützt es auch der RUB, da offiziell sichtbar ist, dass diese Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zu ihr gehören, hier forschen und publizieren. Nicht zuletzt ist eine durch eine Institution bestätigte Angabe, wie z. B. Affiliation, eine wichtige Maßnahme der Qualitätssicherung, die ihrerseits Vertrauen in die Inhalte der ORCID-Records und ORCID als Ganzes stärkt.

Qualitätsgesicherte Affiliationsangabe in einem ORCID-Account

Qualitätsgesicherte Affiliationsangabe durch die eigene Einrichtung (siehe Markierung)

Qualitätsgesicherte Affiliationsangabe durch die eigene Einrichtung (siehe Markierung)

Welche Herausforderungen gab es und wie sind Sie Ihnen begegnet?

Dublett von ORCID in unser System eingespielte Publikationen sind aktuell unsere größte Herausforderung und der schlimmste Zeitfresser, insbesondere im Bereich Geisteswissenschaften. Hier haben Aufsätze und Buchbeiträge leider immer noch viel zu selten einen DOI oder einen anderen Identifier. Es kommt nicht selten vor, dass wir uns beim Import aus ORCID für einen einzigen Wissenschaftler über 100 Dubletten einhandeln. Je mehr Publikationen wir bereits in unserer Datenbasis haben – aktuell sind es über 150.000 – desto zeitraubender gestaltet sich die Datenredaktion infolge der Neuverknüpfungen von vielpublizierenden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern.

Wie ist das Feedback der Mitglieder Ihrer Einrichtung?

ORCID erfreut sich an der RUB zunehmender Beliebtheit. Aktuell (am 31.10.2018) sind über 2.000 Personen mit einer RUB-E-Mail-Adresse bei ORCID registriert und 687 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben (am 12.12.2018) ORCID mit der Hochschulbibliographie verknüpft. Das Feedback der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die ihr Profil mit der Hochschulbibliographie verknüpft haben, ist sehr gut. Sie schätzen es, dass wir Ihr ORCID-Profil automatisch mit Ihren gesamten Publikationen füllen und Ihre Forschungsleistungen weltweit noch sichtbarer werden. Die Hochschulbibliographie profitiert von diesem Wohlwollen, indem immer mehr Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler selbsttätig neue Publikationen melden, sei es direkt über die Hochschulbibliographie oder auch über ORCID.

Was sind Ihre Zukunftspläne für ORCID an Ihrer Einrichtung?

Das Rektorat der RUB hat im Mai dieses Jahres eine Publikationsrichtlinie verabschiedet, in der auch die Bedeutung von Autorenidentifikatoren thematisiert wird. Alle Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der RUB werden „nachdrücklich gebeten“, sich bei ORCID zu registrieren und diesen Identifier im Wissenschaftsalltag zu nutzen. Die ORCID ID soll im Publikationsprozess immer mit angegeben werden, zusätzlich zur korrekten Affiliationsbezeichnung der RUB.

Im neuen Jahr wollen wir mit Informationsveranstaltungen und Kursen zu ORCID beginnen. Um den Bedarf unserer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zu erfragen und diesen besser berücksichtigen zu können, nimmt die RUB aktuell an der StudieAdoption of ORCID ID in academic communities“ teil. Diese wird von einem Projektteam der Universität von St. Andrews in Schottland durchgeführt und besteht aus einer campusweiten Umfrage und begleitenden Interviews mit einzelnen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern.

Welchen Rat würden Sie anderen Einrichtungen geben, die eine Integration von ORCID planen?

Haben Sie Geduld! Wir sind dankbar, dass sich Hans-Georg Becker um die technische Integration kümmert und wir hier von Redaktionsseite aus unterstützen und Rückmeldung geben können.

Wir haben die Erfahrung gemacht, dass manche Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus der zentral bei uns angebotenen Funktion „Erstellen und verknüpfen Sie Ihre ORCID ID“ rückschließen, dass ORCID und die Hochschulbibliographie ein und die gleiche Anwendung sind. Dass man sich in einem Schritt bei ORCID registrieren und anschließend ein weiteres System mit ORCID verknüpfen kann, ist für manche zunächst verwirrend. Dass beide Systeme getrennt existieren und nur verknüpft sind, werden wir in Zukunft transparenter darstellen und auch kommunizieren.

ORCID auf der Startseite der Hochschulbibliographie

Erstellen und Verknüpfen Sie Ihre Ihre ORCID ID

Erstellen und Verknüpfen Sie Ihre Ihre ORCID ID

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.