Ein Jahr Claiming-Service in der Deutschen Nationalbibliografie mit GND

Antonia Schrader Blog 2 Comments

Ein Beitrag von Stephanie Glagla-Dietz (DNB)

Seit einem Jahr ist es jedem ORCID-Nutzer möglich, seine in der Deutschen Nationalbibliografie gelisteten Publikationen aus seinem ORCID-Record heraus zu claimen (wir berichteten hierzu im Juli 2019). Wenn für die Wissenschaftlerin oder den Wissenschaftler bereits ein Datensatz in der Gemeinsamen Normdatei (GND) besteht, wird dieser automatisch mitgeclaimed und ist fortan im ORCID-Record unter „Other IDs“ gelistet.

Diese einfache Search&Link-Funktion haben im ersten Jahr knapp 5.200 ORCID-Nutzer*innen für rund 28.000 Titel der Deutschen Nationalbibliografie genutzt. In 40 % dieser Titel waren die Verfasser*innen mit einem GND-Datensatz verknüpft. So konnten knapp 2.100 GND-Datensätze durch das Claiming aus ORCID heraus bestätigt und beidseitig verknüpft werden.

Abb. 1: Statistik des ersten Claiming-Service-Jahres

Die Deutsche Nationalbibliothek nutzt ihren Claiming-Service nun auch für Verknüpfungen der Titeldaten zu GND-Datensätzen. Vor allem Netzpublikationen sind nur lückenhaft mit GND-Datensätzen verknüpft, da diese über verschiedene Ablieferverfahren in den DNB-Katalog kommen. Die große Menge von bisher 9,3 Millionen Netzpublikationen lässt keine manuelle Weiterbearbeitung zu. Dafür entwickelt die Deutsche Nationalbibliothek ständig ihre maschinellen Erschließungsverfahren weiter.

Mit diesen Verfahren werden auch möglichst viele der weiteren 60 % geclaimter Titel mit GND-Datensätzen verknüpft. Der Hinweis dafür wird beim Claimen mitgelogged und in der Nacht darauf verknüpft, sofern eine Namensform übereinstimmt. Auf diesem Weg konnten bis Ende Juli 2020 24.274 Verknüpfungen in 22.308 wissenschaftlichen Publikationen der Deutschen Nationalbibliografie neu verknüpft werden. Ende August werden retrospektiv die restlichen geclaimten Publikationen verknüpft.

Darüber hinaus wird an einem Vorschlagssystem für GND-Datensätze gearbeitet, bei dem auch Inhalte, wie Länder, Affiliationen, akademische Grade, Publikationen und evtl. Themen und Berufe für neue GND-Datensätze berücksichtigt werden. Voraussetzung ist die strukturierte Erfassung dieser Informationen im ORCID-Record. Auf Basis dieser Vorschläge soll es GND-Anwender*innen ermöglicht werden, auf einfache und schnelle Art einen neuen GND-Datensatz zu erstellen, in dem dann natürlich auch die ORCID iD vorhanden ist.

Abb. 2: Claiming-Service Deutsche Nationalbibliografie

Befindet sich eine ORCID iD im Datensatz, werden die an die DNB abgelieferten Publikationen mit allen Verfassern, zu denen ein Verlag die ORCID iDs mitgeliefert hat, in der folgenden Nacht verknüpft. Nachfolgendes Claiming verstetigt diese Verknüpfung. Täglich kommen bereits mehr als 500 Publikationen mit mindestens einer Verfasser-ORCID-iD-Kombination in den DNB-Katalog, insgesamt sind es bereits mehr als 390.000 Netzpublikationen. Aber auch das Hinzufügen einer ORCID iD in einem GND-Datensatz löst in der folgenden Nacht die Suche nach Publikationen mit einer solchen Verfasser-ORCID-iD-Kombination aus und verknüpft bereits im Katalog vorhandene Publikationen. Sowohl in den GND-Datensätzen als auch in den Titeldaten wird die Herkunft der ORCID iD gespeichert. Auch die nächtliche Verknüpfung ist durch Herkunft und Datum jederzeit nachvollziehbar.

ORCID iDs werden nicht nur durch GND-Anwender*innen und ORCID-Nutzer*innen über Search&Link in GND-Datensätzen gespeichert. Verschiedene Abgleichsverfahren mit den jährlichen ORCID-Dumps (wir berichteten hierzu im Mai 2019) und das GND-Claiming in BASE (vgl. https://www.base-search.net/about/de/legal_notice.php) sorgen dafür, dass mittlerweile 86.127 ORCID iDs GND-Datensätzen zugeordnet werden konnten (Stand: 31.07.2020).

Haben Sie Ihre GND-ID bereits geclaimed?

Comments 2

  1. Gerald+Jagusch

    Es wäre m.E. hilfreich im Katalog der DNB dann auch die ORCIDs menschenlesbar mit anzuzeigen / zu verlinken, dies ist bislang weder in den Tn-Sätzen, noch in den Werksätze der Fall.

    1. Lorena Spahn

      Sehr geehrter Herr Jagusch,

      es gibt unterschiedliche Gründe, weshalb Standardnummern wie ORCID-ID, Scopus Author ID oder ResearcherID nicht im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek angezeigt werden.
      Zunächst einmal eignet sich die Anzeige nicht, um die Vielzahl an Informationen abzubilden, die die Datensätze hergeben würden. Bei der Suche werden die Standardnummern jedoch im Hintergrund berücksichtigt.
      Darüber hinaus orientiert sich die Anzeige im DNB-Katalog an einer weniger spezialisierten Zielgruppe als den GND-Nutzenden. Soweit ich weiß, wird für die GND jedoch gerade eine eigene Plattform entwickelt, die speziell auf diese Zielgruppe eingeht.

      Sollten Sie weitere Fragen haben, können Sie sich gerne an metadatendienste@dnb.de wenden.

      Mit freundlichen Grüßen
      i. A. Lorena Spahn


      Lorena Spahn
      Deutsche Nationalbibliothek
      Digitale Dienste
      Adickesallee 1
      60322 Frankfurt am Main
      http://www.dnb.de

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