Von bestehenden ORCID-Integrationen in Deutschland lernen – Universität Regensburg

Paul Vierkant Best-Practice, Blog 0 Comments

Den Auftakt für unsere Blog-Interviewreihe „Von bestehenden ORCID-Integrationen in Deutschland lernen“ macht die Universität Regensburg mit ihrem Open-Access-Beauftragten Gernot Deinzer. Die Universität Regensburg hat kürzlich als eine der ersten Einrichtungen Deutschlands ORCID implementiert. Die hierbei gemachten Erfahrungen sollen hier geteilt werden und so anderen Institutionen bei der Planung und Integration von ORCID an der eigenen Einrichtung helfen.

Welche Gründe gab es für die Integration von ORCID an Ihrer Einrichtung?

Die Universität Regensburg hat sich bereits im Oktober 2016 dazu entschlossen, am deutschlandweiten ORCID-Konsortium teilzunehmen. Grund hierfür war u.a. die Unterstützung einer non-for-profit Organisation, um eine offene und dauerhafte Autorenidentifikation, unabhängig von kommerziellen Diensteistern, anbieten zu können. Dadurch haben wir auch den Zugang zu der Membership-API erhalten. Diese erweiterte Möglichkeit sollte dann auch dazu genutzt werden, der Universitätsleitung den Mehrwert der Mitgliedschaft aufzuzeigen. Interessant war bei uns v. a., dass bereits mehrere Forschende eine ORCID hatten und dort Publikationen parallel zu unserem Repositorium einpflegten. Dieser Doppelaufwand war für die Forschenden nicht befriedigend und sollte idealerweise mit einem Datenaustausch behoben werden können.

Zusätzlich suchten wir schon seit Längerem nach einer Möglichkeit, eindeutige Publikationslisten für Forschende zu erstellen. Intern war dies durch eine Rechenzentrums-ID möglich, doch dies konnte nicht für externe Zwecke genutzt werden, da diese ID gerade nicht offen ist und zudem datenschutzrechtlichen Einschränkungen unterliegt. Gerade bei den öffentlichen Publikationslisten von Personen gab es immer wieder Rückfragen, da in diesen Listen Veröffentlichungen erscheinen, welche von einer anderen Autorin bzw. einem anderen Autor mit dem gleichen Namen verfasst waren.

Zusätzlich wurde die Nachfrage von Forschenden nach ORCID immer größer, da diese ihre ORCID bei Zeitschriften etc. angeben mussten und sich somit für dieses Thema verstärkt interessierten.

Was waren die wichtigsten Schritte bei der Integration?

Die ersten Schritte waren eine Evaluation der möglichen Einsatzgebiete von ORCID und die Entscheidung, welche wir davon anbieten möchten. In der ersten Phase der Umsetzung wurde die Möglichkeit der Verbindung von Autorinnen und Autoren zu ORCID realisiert, so dass die diese auch unabhängig von der Zugehörigkeit zur Universität Regensburg, eindeutig identifiziert werden können. Weiter sollte ein Datenaustausch zwischen ORCID und dem Publikationsserver, also dem institutionellem Repositorium der Universität Regensburg, stattfinden. Dazu wurde die bestehende Repositorien Software EPrints gesichtet und evaluiert. Wir entschieden uns schließlich für eine technische Umsetzungsvariante der Universität Bern. Diese wurde an unser Testsystem angepasst und ausgiebig erprobt und schließlich ORCID vorgestellt. Nach Erhalte des Zugangs zur Membership-API erfolgte der Transfer in unser Repositorium.

Wie wird ORCID in Ihrer Einrichtung verwendet?

Zunächst kann jede/r Autor/in einzelne Einträge im Publikationsserver mit seiner / ihrer ORCID verknüpfen. Ebenso können Forschende ihr Benutzerprofil mit ihrer ORCID erweitern. Während der Verknüpfung sollte der Autor / die Autorin die Universität Regensburg möglichst als trusted Organisation akzeptieren, damit wir erweiterte Information lesen können und v.a. auch Publikationsdaten in das Profil schreiben dürfen.

ORCID Connect

ORCID Connect

Bei keiner hinterlegten ORCID wird der Button „Connect your ORCID id“ angezeigt. Mit diesem kann die Verbindung zwischen Repositorium und ORCID hergestellt werden. Ist dies geschehen, wird die ORCID angezeigt sowie die Rechte, welche der Universität als vertrauenswürdige Organisation übertragen wurden.

Biographische Daten bei ORCID werden derzeit bei uns nur angezeigt, aber noch nicht im Repositorium gespeichert. Publikationen können sowohl von ORCID ins Repositorium als auch vom Publikationsserver nach ORCID ausgetauscht werden. Bei dem Import von Einträgen aus ORCID ins Repositorium wird zusätzlich noch ein Dublettencheck durchgeführt, so dass hier nicht zwei Veröffentlichungen mit gleicher DOI entstehen können. Alle eingespielten Daten sowohl bei ORCID als auch im Publikationsserver sind vorerst im privaten Nutzerbereich, so dass der / die Forschende diese noch vor der Veröffentlichung überprüfen kann.

ORCID-Import

ORCID Import

Liste mit Publikationen im ORCID-Profil. Mit dem grünen Haken sind Einträge gekennzeichnet, welche bereits im Repositorium vorhanden sind. Ansonsten können mittels des Buttons „Import“ die Metadaten importiert werden.

Ist das Nutzerprofil mit einer ORCID iD versehen, so werden auch alle Veröffentlichungen der Forschenden automatisiert mit dieser ORCID versehen und es bedarf keinerlei weiterer Aktionen seitens der Forschenden.

ORCID-Export

ORCID-Export

Liste mit Publikationen im ORCID-Profil. Mit dem grünen Haken sind Einträge gekennzeichnet, welche bereits im Repositorium vorhanden sind. Ansonsten können mittels des Buttons „Import“ die Metadaten importiert werden.

Welche Herausforderungen gab es und wie sind Sie Ihnen begegnet?

Die Implementierung von OPRCID selbst stellte keine große Herausforderung dar, da nur Standardtechnologien die problemlos umgesetzt werden können, zum Einsatz kommen. Einzig bei der Zeitplanung der Implementierung ist zu berücksichtigen, dass die Freischaltung für die Membership-API nicht sofort erfolgt, sondern erst nach einer Prüfung. Hier kam es zu einer kleinen zeitlichen Verzögerung aber auch hier war das Team von ORCID sehr zuvorkommend und hilfsbereit.

Wie ist das Feedback der Mitglieder Ihrer Einrichtung?

Das Feedback war durchwegs positiv und der Einsatz von ORCID ist auf große Nachfrage gestoßen. Sowohl Forschende mit als auch ohne ORCID interessierten sich für die Umsetzung. Es wurden bereits mehrere Neuregistrierungen durchgeführt. Gerade die Unterstützung der Universitätsleitung hat sich hier als sehr hilfreich erwiesen, da sich dadurch die Forschenden direkt angesprochen fühlen. Insgesamt hat sich das Vertrauen der Wissenschaftler in ORCID durch die Mitgliedschaft im Konsortium und die Realisierung im Publikationsserver stark gefestigt.

Was sind Ihre Zukunftspläne für ORCID an Ihrer Einrichtung?

ORCID soll zukünftig in das gesamte ID-Management der Universität inkludiert werden. Damit soll ein automatischer Abgleich der Daten, z.B. der Publikationen, durchgeführt werden und der Aufwand für Forschende verringert werden. Ziel ist es hier, dass ein/e Forschende/r ihre / seine Daten lediglich einmal in ein System eingeben muss und die Daten dann in all den anderen Systemen ebenfalls vorhanden sind.

Zusätzlich wird ORCID als Grundbaustein für ein Forschungsinformationssystem gesehen. Die Informationen hierzu sollen dann auch aus verschiedenen Systemen anhand dieser ID zusammengefügt werden.

Welchen Rat würden Sie anderen Einrichtungen geben, die eine Integration von ORCID planen?

Der wichtigste Rat ist, sich frühzeitig mit ORCID in Verbindung zu setzten. Die Implementation erfolgt über die Entwicklungsumgebung (sandbox) bei ORCID und wird von ORCID überprüft. Um unnötige Entwicklungs- und Programmierarbeit zu ersparen bietet sich eine frühzeitige Kontaktaufnahme an.

Zudem sind viele Implementationen von ORCID für verschiedene Systeme vorhanden. Einer Eigenentwicklung sind hier sicher vorhandene Lösungen vorzuziehen, da diese zum einen die Prüfung bei ORCID bereits erfolgreich abgelegt haben und auch der Aufwand bei Änderungen der Membership-API effektiver umgesetzt werden können.

 

 

 

 

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